Immerath im Rheinischen Braunkohlerevier

 

Ursprünglich wollte ich nur die Umsiedlung von Keyenberg auf meiner Webseite mit Fotos dokumentieren und auf der Unterseite zu Keyenberg sind mehr Details zu einer Umsiedlung zu lesen, als ich sie hier beschreiben werde. Dies liegt insbesondere daran, dass ich erst sehr spät fotografisch in den Umsiedlungsprozess von Immerath eingestiegen bin und persönliche Gespräche mangels Bewohnern dort kaum noch möglich waren.

Da ich für Keyenberg nun die Hoffnung habe, dass es nicht abgerissen wird, möchte ich stattdessen am Beispiel von Immerath zeigen, wie ein Jahrhunderte altes Dorf nach und nach von der Bildfläche verschwindet.

 

 

Immerath war ein ländlich geprägter Ort, ein Stadtteil von Erkelenz, westlich von Köln. (Zum Bezirk Immerath gehört auch der Weiler Lützerath, der aktuell wegen der dort stattfindenden Proteste gegen den Tagebau oft in den Nachrichen genannt wird und ebenfalls noch  weichen wird.)

Erstmals wurde Immerath 1144 urkundlich erwähnt. Das Dorf hatte vor der in 2006 beginnenden Umsiedlung etwa 1.200 Einwohner. Es besaß ein Krankenhaus, ein großes Kloster, die als "Immerather Dom" bekannte Pfarrkirche St. Lambertus und natürlich eliche Geschäfte und andere Gewerbebetriebe, eine Schule und einen Kindergarten. Etwas außerhalb gelegen waren der schon lange stillgelegte Bahnhof und eine Windmühle. Und wie in den anderen Dörfern, die Garzweiler 2 bereits weichen mussten oder denen dies eventuell noch bevorsteht, gab es in Immerath einige besondere Gebäude, die unter Denkmalschutz standen.

 

Im Dezember 2014 habe ich mich dort zum ersten Mal umgesehen, also acht Jahre nach Beginn der Umsiedlungsphase. Zu dem Zeitpunkt war die als Dom bezeichnete Kirche seit einem Jahr entweiht, einige Häuser und eine Gärtnerei schon abgerissen und nur ca. 10 Anwesen noch bewohnt.

Ursprünglich war die bergbauliche Inanspruchnahme bereits für 2017 vorgesehen, aber die Umsiedlung ist per Juni 2022 noch nicht komplett beendet, obwohl sie auf der Webseite von RWE schon seit einigen Jahren als abgeschlossen deklariert wird. Dies liegt daran, dass die Immerather Landwirte Thelen, die sich auf den Anbau von Möhren spezialisiert haben, große Schwierigkeiten hatten, einen Ersatzstandort für ihren Betrieb zu finden. Die Verlegung des Hofes (nach Jackerath) sollte in 2022 stattfinden, aber ob dies angesichts der großen Baumaterial-Lieferprobleme und der schwierigen Handwerker-Verfügbarkeit klappt? Wir werden sehen.

 

 

Das nachfolgende Bild stammt von RWE und wurde im Mai 2009 aufgenommen. Schräg zum oberen Bildrand verläuft zu dem Zeitpunkt noch die A61, gut erkennbar an ihrem Grüngürtel.