Das KZ Natzweiler-Struthof in den landschaftlich reizvollen, aber klimatisch oft rauhen Vogesen war das einzige KZ auf französischem Boden. Es wurde im Mai 1941 in der Nähe des von der SS konfiszierten Gasthauses „Le Struthof“ eröffnet, das bis dahin als Ausflugslokal bei Wanderern und Skifahrern beliebt war. Dem KZ angeschlossen waren mehr als 50 Außenlager beiderseits des Rheins. Das Hauptlager war für 2.000 Deportierte ausgelegt, in Stoßzeiten wurden 7.000 darin zusammengepfercht.

 

Die Häftlinge im Alter von 11 bis 78 Jahren, überwiegend Widerstandskämpfer aus den von Deutschland besetzten Ländern, wurden hauptsächlich in der Rüstungsindustrie ausgebeutet. Außerdem mussten viele Deportierte in Natzweiler in einem Steinbruch roten Granit abbauen. Aus Granit waren auch die Treppen zwischen den Terrassen des KZ, auf denen die Schlafbaracken standen. Diese Treppen hatten hohe, unregelmäßige Stufen und schmale Tritte, so dass sie für die misshandelten und geschwächten Häftlinge kaum zu bewältigen waren, wenn sie schwere Lasten hinauf- und hinuntertragen mussten.

 

Im Laufe seines Bestehens hatte das KZ Natzweiler-Struthof ca. 52.000 Insassen und entwickelte sich vom Arbeits- zum Todeslager mit Gaskammer und Krematorium. Es wurde auch für medizinische Experimente genutzt, in vielen Fällen mit tödlichem Ausgang. Insgesamt fielen etwa 22.000 Personen Hunger, Krankheit, Folter und Mord zum Opfer.

 

Im September 1944 gab das NS-Regime das Hauptlager auf. Die Häftlinge wurden auf die Außenlager verteilt, von denen viele bis Kriegsende fortbestanden.

 

Nach der Besetzung des geräumten Lagers durch US-Truppen wurde die Hinterlassenschaft provisorisch als Gedenkort gesichert, doch 1954 mussten die meisten der inzwischen baufälligen Baracken abgerissen werden. Erhalten blieben zwei gemauerte Blocks, nämlich der Gefängnisblock mit Krankenstation und das Krematorium im unteren Lagerbereich, sowie im oberen Lagerbereich die für Besucher verschlossene Küchenbaracke und eine Schlafbaracke, die heute als Ausstellungsraum dient.

Im Juli 1960 weihte der damalige französische Staatspräsident Charles de Gaulle die nationale Gedenkstätte auf dem Lagerareal ein, einschließlich eines sehr hohen Mahnmals auf dem Gräberfeld, das sich oberhalb des Lager-Eingangs befindet. Im Jahr 2005 wurde durch Präsident Jacques Chirac ein Museum zur Erinnerung an die europäischen Kämpfer gegen die Hitler-Diktatur eingeweiht, das neben dem Lagerareal errichtet wurde.

 

„Ich werde diese Tage nie vergessen, an denen einige Kameraden ohne Unterlass den zähen Schlamm aus Exkrementen, vermischt mit der Asche der verbrannten Toten, aus der Klärgrube holten, den wir mit schweren Metallschubkarren, deren Griffe uns in die Hände schnitten, aus dem Lager hinaus auf die Felder schaffen mussten, wo er als Dünger in der Nähe der Gemüsebeete der SS verwendet wurde.“

Roger Monty, französischer Deportierter